Nachfrage und Prognose

Verkehrsnachfrage

Die Ermittlung der Verkehrsnachfrage ist der zentrale Aspekt der Verkehrsanalyse, wobei die Qualität durch die Datengrundlage bestimmt wird. Beim SPNV sitzen die Aufgabenträger meist auf einem Berg von Daten, die jährlich oder halbjährlich erhoben werden. Der zunehmende Einsatz von Automatischen Fahrgastzählsystemen (AFZS) lässt das Datengebirge in himalayische Höhen wachsen. Nur ein Bruchteil dessen kann zielgerichtet ausgewertet werden. Beim ÖSPV ist die Datenlage oft anders. Umfassende und verlässliche Fahrgastdaten liegen meist nicht vor und wenn doch, dann nur beim zuständigen Verkehrsunternehmen selbst. Aufgabenträger (und das sind in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte) haben in vielen Fällen nur einen eingeschränkten Überblick über die Verkehrsnachfrage in ihrem Verantwortungsbereich. 

Für die Erarbeitung und Aufstellung eines Nahverkehrsplans ist die Kenntnis der Verkehrsnachfrage, der Quellen und Ziele (Verkehrsaufkommen) sowie der Relationen zwischen den Quellen und Zielen (Verkehrsbeziehungen) wichtig, sodass im Idealfall ein vollständiges Bild über die Gesamtverkehrsnachfrage im Nahverkehrsraum vorliegt. Eben diese Quell-Ziel-Beziehungen lassen sich aus im Regelfall haltestellenscharf vorliegenden Ein- und Aussteigerzahlen nicht ableiten. Viele Nahverkehrspläne haben hier Lücken in der Bestandsaufnahme der Verkehrsnachfrage. 

Verkehrsbefragungen zur Ermittlung der Quell-Ziel-Strukturen sind personalaufwendig und teuer. Sie finden deshalb nur an wenigen Stichtagen in einer eng begrenzten Erhebungsperiode statt, was Fehler in der Hochrechnung nach sich ziehen kann. 


Erlösstruktur

Die Ermittlung der Erlöse benötigt als Grundlage eine saubere Analyse der Verkehrsnachfrage und baut im Kern auf Quell-Ziel-Relationen auf. Jeder Relation kann ein maßgeblicher Tarif zugeordnet werden. Aufgabenträger im SPNV und ÖSPV verfügen zwar über Erlösdaten bzw. über Eckwerte zur Erlösergiebigkeit der einzelnen Tarife, können diese jedoch vielfach nicht linienscharf und schon gar nicht relationsscharf zuordnen. Oftmals gibt es Probleme in der Zuscheidung und Abgrenzung der Einnahmen zwischen benachbarten Aufgabenträgern. 


Verkehrsprognose

Im Gegensatz zum flächenbezogenen Individualverkehr (IV) haben allgemeine Verkehrszuwachsfaktoren für den Öffentlichen Verkehr (ÖV) nur eine begrenzte Aussagekraft. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die üblichen allgemeinen Prognoseansätze versagen, da der spezielle regionale Bezug fehlt. So gibt es selbst in strukturschwachen Räumen, die unter anhaltendem Bevölkerungsrückgang leiden, nicht selten Eisenbahnverkehre, auf denen eine wachsende Verkehrsnachfrage festgestellt werden kann. Ursächlich sind schnelle und regelmäßig verkehrende Züge, die eine attraktive Verbindung zur nächstgelegenen Großstadt bzw. zum nächstgelegenen Fernverkehrsknoten sichern. 


Risikobewertung

Die Risikobewertung umfasst zunächst die Erlöshochrechnung auf die kommenden Jahre, wobei im Regelfall verschiedene Szenarien aufgestellt werden (best case, worst case, real case). Sie basiert ganz wesentlich auf der Qualität der vorherigen Schritte der Verkehrsprognose. Neben allgemeingültigen, strukturellen Vorgaben werden auch Notwendigkeiten des Risikomanagements unserer Mandanten berücksichtigt: 

 

  • quantitativ 
  • qualitativ 
  • vertragstechnisch